Fülle und Leere

[Bildquelle]tumblr_ng81waJzJT1rjvimro1_1280

[TW: Eating Disorders]

Eine Essstörung ist Anorexia Nervosa. Eine Essstörung ist Bulimia Nervosa. Eine Essstörung ist Binge-Eating-Disorder. Eine Essstörung ist Esssucht. Eine Essstörung ist Orthorexia Nervosa. Eine Essstörung ist Hungern. Eine Essstörung ist Fressen und Brechen. Eine Essstörung ist mit Essen Vollstopfen. Eine Essstörung ist tägliches Leerwiegen. Eine Essstörung ist Körperhass. Eine Essstörung ist thigh gap, collar bones, rips oder zumindest der Wunsch danach. Eine Essstörung ist nach Plan essen. Eine Essstörung ist alles hassen, wenn etwas nicht nach Plan läuft. Eine Essstörung ist Selbstbestrafung. Eine Essstörung ist ein “FAT” auf dem Körper – nicht mit einem Stift geschrieben. Eine Essstörung ist falsche Selbstwahrnehmung. Eine Essstörung ist Untergewicht. Eine Essstörung ist Normalgewicht. Eine Essstörung ist Übergewicht. Eine Essstörung ist falsche Ernährung. Eine Essstörung ist Warten auf den Tag, an welchem man dünn erwacht. Eine Essstörung ist das Suchen nach Gleichgesinnten, vielleicht sogar einem Twin. Eine Essstörung ist ein Gewichtstagebuch. Eine Essstörung ist Fasten. Eine Essstörung ist Kalorien. Eine Essstörung ist Thinspos und Fitspos. Eine Essstörung ist Ausreden. Eine Essstörung ist eine Maskerade aufbauen. Eine Essstörung ist Anorexie als Ziel. Eine Essstörung ist Ana Till The End. Eine Essstörung ist alle dünneren Menschen hassen. Eine Essstörung ist Frieren. Eine Essstörung ist übertriebener Sport. Eine Essstörung ist Diätpillen. Eine Essstörung ist Abführmittel. Eine Essstörung ist jede Sekunde Essen im Kopf zu haben. Eine Essstörung ist Essen kauen und ausspucken – nur der Geschmack zählt. Eine Essstörung ist ein Ana-Buch. Eine Essstörung ist eine Umarmung. Eine Essstörung ist Perfektionismus. Eine Essstörung ist das Ausfallen der Periode. Eine Essstörung ist Neid. Eine Essstörung ist jeden Tag da. Eine Essstörung ist phasenweise da. Eine Essstörung ist flexibel. Eine Essstörung ist noch so viel mehr.

Eine Essstörung ist nicht nur, nicht unbedingt Anorexia Nervosa. Eine Essstörung ist nicht nur, nicht unbedingt Bulimia Nervosa. Eine Essstörung ist nicht nur, nicht unbedingt Binge-Eating-Disorder. Eine Essstörung ist nicht nur, nicht unbedingt Esssucht. Eine Essstörung ist nicht nur, nicht unbedingt Orthorexia Nervosa. Eine Essstörung ist nicht nur, nicht unbedingt Hungern. Eine Essstörung ist nicht nur, nicht unbedingt Fressen und Brechen. Eine Essstörung ist nicht nur, nicht unbedingt mit Essen Vollstopfen. Eine Essstörung ist nicht nur, nicht unbedingt all das andere.

Eine Essstörung ist so individuell wie der Mensch selbst.

Aber eines haben alle Essstörungen gemeinsam:

Sie sollten nicht sein.

Über Essstörungen und Body-Accepting

[Bildquelle]

tumblr_mxaouvYFVs1syx9v7o1_500

[TW: Eating Disorders]

Ich habe eine Essstörung. Vielmehr eine EDNOS (“Eating Disorder Not Otherwise Specified”), hauptsächlich die Binge-Eating-Disorder, gespickt mit anorektischen Elementen, mit mehr und weniger intensiven Phasen.

Was die Essstörung für mich heißt? Tägliches Wiegen, Selbsthass, ständig zu viel oder zu wenig Kalorienaufnahme, das Vergleichen meines Körpers mit jedem anderen Körper, Schuldgefühle nach dem Essen, Kontrolle über mich selbst, Narben, sehr viele Gedanken um das Thema Kalorien, Gewichts- & Essenstagebücher, ein Thinspo-Ordner auf dem Handy mit weit über 1300 Bildern drin, Diät- und Trainingspläne, ein ED-Twitter-Account mit relativ vielen Followern, das Nichtwissen wie der eigene Körper aussieht, sehr viel Leid. Und noch so viel mehr.

Gleichzeitig bin ich eine Verfechterin des Body-Acceptings. Für das Lieben, oder zumindest Akzeptieren des eigenen Körpers. Gegen das (Ver-)Urteilen anderer Körper. Dafür, das Gefühl weiterzugeben, dass man schön ist, egal wie der Körper aussieht, denn (je)der Körper ist schön. Gegen das Aufzwingen der eigenen Schönheitsideale. Einfach dafür, dass jeder so aussehen darf, wie er will, ohne Schuldgefühle dabei zu bekommen.

Wieso mir das so wichtig ist?

Weil ich mir wünsche, dass mein Umfeld so gedacht hätte oder zumindest nun so denken würde. Mir wurde schon als Kind gesagt, wie dick ich sei, dass ich abnehmen müsste, meine Schwester hat mir, als ich 9 Jahre alt war, eine Dose Pringles aus der Hand gerissen, weil ich ihr einen Tag vorher versprochen hatte, eine Diät zu machen, als sie mir erzählte, was Diäten sind. Auch 9 Jahre später halten mir alle vier meiner Schwestern vor, ich sei zu dick, auch mein Vater macht da keinen Halt. Mir wird ständig vermittelt, ich sei zu dick, ich müsste abnehmen. Dass das Leben als dünne Person so viel besser ist. Mein ganzes Leben lang habe ich das geglaubt, meinen Körper so sehr gehasst, mir letzten Endes neue Schönheitsideale von Pro-Ana-Seiten angeeignet, denn dünner ist schöner. Thigh Gap, Collar Bones, Hip Bones, Rip Bones, Knochen. All diese Sachen sind mir früher, bevor ich in Pro-Ana reinrutschte, nie wirklich aufgefallen. Aber sie wurden zu meinem Schönheitsideal, weil dünner ist schöner.

Nein. Dünner ist nicht schöner. Dünn ist schön. Aber auch dick ist schön. Aber auch muskulös ist schön. Aber auch boyish. Aber auch hourglass, apple, pear, rectangle, strawberry und alles andere.

Jeder Körper, jeder Mensch ist schön.

Und hätte ich das vorher gewusst, hätte mich jemand jemals so behandelt, dann wäre so vieles so einfacher gewesen.

Also bitte. Nicht nur für euch, sondern auch für andere. Fangt gar nicht erst mit diesem Blödsinn des (Body-)Verurteilens an. Es bringt niemanden etwas, höchstens Leid.

 

  • “it’s okay for you to like skinny girls
  • it’s okay for you to like skinny girls with big boobs and a butt
  • it’s okay for you to like curvy girls
  • it’s okay for you to like heavier girls
  • it’s totally okay to like thighs or thigh gaps and big boobs or small boobs and big butts or little butts
  • what’s not okay is telling a woman that she isn’t beautiful or sexy because she doesn’t meet your personal body type preferences

Reset

[Bildquelle]

large

Als ob ich nicht schon genug prokrastiniere und doch eigentlich eine Menge zu tun hätte (zu viel, als ob ich mir permanent-prokrastinieren leisten könnte), habe ich mir vorgenommen, meinen Blog wiederzubeleben. Aber weil ich beinahe schon ein Jahr lang hier still war, dürfte es nicht weiter verwundern, dass die Texte anders werden.

Denn seit Monaten habe ich keinen guten (“kreativen”) Text mehr im Kopf gehabt. Und so sehr mir das doch ein wenig schmerzt, weil das früher ein Teil von mir war – und nun eben nicht mehr -, zeigt das doch Fortschritt an. Die Depression, Der Körperhass, die Essstörung, der Selbsthass, all das ist zwar noch da, aber ich arbeite dagegen an und es macht nicht mehr den größten Teil von mir aus. Ich habe tatsächlich gelernt mich zu lieben, was für mich ein riesiger Schritt ist und woah. Fühlt sich das gut an.

Tatsächlich hatte ich in den letzten Wochen, und besonders in den letzten Tagen, mehrerer Ideen für Blogtexte, aber mein Problem damit war, dass keiner wie die alten Texte sein würde. Ich überlegte, mir einen neuen Blog anzulegen, aber das klappte ja schon in der Vergangenheit nicht ich wollte diesen Blog hier auch nicht missen, also lasse ich die alten Texte hier, schreibe hier, ändere allerdings das Design hier. Eine Veränderung, weil ich mich veränderte.

Und weil ich eigentlich schon wieder zu viel rede (damn you, sugar), höre ich hier nun auf. Lasse euch noch wissen, dass es in Zukunft mehr sachliche Texte gibt, vielleicht auch Reviews, dass mir vielleicht wieder kreative Texte einfallen, ich es aber nicht versprechen kann. Es wird anders, aber doch irgendwie gleich. Ich weiß es selber noch nicht genau.

See you later, alligator!

02. Juni 2011

tumblr_mf9rcmPY7r1rsd5neo1_500

Aus dem Tagebuch eines 15 Jahre jungen Mädchens.

- 00:14 -

Liebes Tagebuch,
(hach. Wie lange hab ich das nicht mehr geschrieben!) ja, ehm. Ich schreib jetzt wieder Tagebuch. Ich weiß auch nicht warum. Vielleicht um mich irgendwo auszusprechen/-schreiben/-heulen. Das brauch’ ich (vor allen Dingen jetzt) auch mal, weil manchmal ich mich bei meinen Freunden/Schwestern nicht will/kann. Wenn ich jetzt schon dran denke, ist mir aus vielerlei Gründen zum Heulen zumute. Und je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr will ich heulen. Aber ich verbiete es mir selbst. Noch nicht mal, weil ich mich dann schwach fühlen würde – vielmehr weil ich mir einrede/mir sicher bin, ich selbst sei an allem Schuld. Ok, jetzt wollen die Tränen raus. Verdammt. Aber ich schluck’ sie runter. Früher hätte ich geheult. Aber heute nicht mehr. Die letzten paar wenigen Wochen sowieso nicht. Ich unterdrücke meine Gefühle – sagt mein Gummibärchenorakel. Ich unterdrücke die Gefühle und es kommt negativ auf mich zurück. Und es könnte stimmen. Aber wer hört schon auf ein verdammten Gummibärchenorakel? Leute, die auch Tagebuch schreiben? Aber bisher wirkte das Gummibärchenorakel auch relativ… glaubwürdig? Und selbst wenn ich nicht an Horoskope und so’n Humbug glaube – das Gummibärchenorakel hat irgendwie mein Vertrauen gewonnen? Also kann es auch gut als “Richtlinie” gelten. Ergo – mehr Gefühlen Ausdruck verleihen. Schreien, weinen, trampeln. So wird’s gemacht. Oder auch nicht. Also das Schreien definitiv nicht. Wo denn auch? Ich glaub’, ich sollte Beste Freundin 2 & Beste Freundin 1 sagen, wie ich mich fühle. Aber das kann ich irgendwie nicht. (Ok, der Dammzusamm naht! Ok, Totalausfall.) Jaa! Tränen schmecken salzig. Ich bin bescheuert. Ich will eine Träne hierdrauf tropfen lassen. Als Beweis, dass ich geheult habe, oder wie? Oder einfach, weil es so schön traurig & melancholisch wirkt? Eine Teil-Spiegelung meines Innersten. Aber die Träne will nicht von der Lippe weg. Verdammt. (Schön salzig!) Da ich heute den 3. Band von “Paradox” gelesen hab’, frag’ ich mich, wie wohl mein “Paradox” aussehen würde bzw welche Eigenschaften es derzeit hat.
– Hasst sich selbst (Aussehen, Charakter)
– möchte nicht schwach sein
– braucht Zuneigung
– will niemanden zur Last fallen (!)
– Im Grunde Einzelkämpfer
– ruft stumme Hilfeschreie
– sucht die Problematik bei sich selbst.
– weint viel (innerlich)
– lacht viel (äußerlich)
Müsste genügen. Ich hab’ jetzt grad eh Bauchschmerzen (verdammte Strumpfhose!) und ich wär schon eben beinahe eingeschlummert. Ich schreib’ morgen weiter. Vielleicht kommen ja ein paar Smileys hinzu… Man sieht sich!

Müdigkeit

tumblr_mu2fw4kEaa1qg65ado1_500

Nun sitzt sie hier, betrunken und voller Koffein, hört erst stimmungshebende, dann stimmungsdrückende Musik. Rebloggt Bilder und Gifs von Tumblr, die irgendwo zwischen Seelenspiegel und Seelenaufmunterung stehen. Isst, weil sie den ganzen Tag zuvor schon aß; trinkt, weil sie den ganzen Tag zuvor zu wenig trank. Und den widerlichen Essensgeschmack aus dem Mund spülen möchte.

Nun sitzt sie hier, innerlich und an den Händen kalt, um die Körpermitte drumherum warm, dank elektrischem Wärmekissen. Schreibt diese Zeilen, weil sie ihre leeren Gedanken loswerden möchte, all den Schmerz, all die Leere, all das Nichtwissen. Schreibt ins Internet Kurztexte, möchte keine Aufmerksamkeit, bloß ihren Gedankenunrat entsorgen.

Nun sitzt sie hier, stellt sich vor, dass aus ihrem Handgelenk frische Tränen rinnen und spürt den Schmerz, das Brennen an der Hüfte. Das Pflaster am Handgelenk als Schutzschild. Schutzschild gegen Blicke von außen, gegen Schnitte von außen. Fragt sich, warum die Schnitte am Handgelenk nicht weniger tief, die Schnitte an der Hüfte nicht tiefer sind. Zu schön.

Nun sitzt sie hier, zittert und ist müde. Müde vom Leben. Möchte schlafen. Nicht mehr aufwachen. In einem schönen Traum leben. Überhaupt leben. Wieder leben. Sie führte einen Kampf gegen sich selber. Verlor ihn, innerlich ein verlassenes Schlachtfeld. Leere. Ein paar Überlebende, Kämpfer, vollgesogen mit Müdigkeit.

Nun sitzt sie hier und kann nicht mehr.

Sehnsucht und Kampf

tumblr_mrw95eYqcI1r6wy2jo1_500

Striche an der Hüfte; Schreie, die nicht der Kehle, sondern ihrem tiefsten Inneren entweichen.
“Lieb mich! Lieb mich!”

Sie schreit um Liebe, weil sie sich selbst nicht liebt. Sucht die Liebe bei anderen. Findet sie nicht. Sehnsucht.
“Was hast Du da an der Hüfte? Sieht aus wie geschrieben.”

Sie ist froh, dass sie nur für sich selber schreibt. Kopfüber, eine wenig geliebte Sichtweise, sie gleicht ihr sehr. Nun steht ihre Welt kopfüber, denn:
“Ich liebe Dich.”

Sie wird geliebt, ihr wahres Ich wird geliebt. Das, was sie immer wollte. Aber das, was sie immer wollte, wonach sie sich immer sehnte… es widerstrebt ihr, sie kann es nicht annehmen.
Also bitte erzähle mir:
“Wie gewinnt man einen Kampf gegen das, wonach man sich immer am meisten sehnte – gegen die Liebe?”

07. April 2009

tumblr_ma8zokQjRR1qazg3ko1_500

Aus dem Tagebuch eines 13 Jahre jungen Mädchens.

Hey Ho!
Stand 07.04.09//10:00 P.M.
* gestern hat beste Freundin 1 ihren Gebbi gefeiert
* beste Freundin 2 war Spurensicherung xD
* Gebbifeier -> Kostümparty
* war krank ._. ,also so gesundheitlich, aber davor :o
* Neffe ist krank :o
* Sims 2 ist wieder mal geil xO
* hab vor, Sims 3 zu kaufen :o
* mit Internettyp ohne Decknamen ist alles Kinderkacke xD
* mit Internettyp ohne Decknamen – mal ausrechnen – 15 Tage lang nicht geredet
* Schnurzpiepsegal xD
* Ich mein, der soll mich anschreiben, nicht andersrum. Immerhin hat er mir 2x geschrieben, dass er mich liebt ô.o Und das ich ihm ja sooo viel bedeute >.>
* aber ich will mit dem schreiben ó.o
* verdammt v.v
* & letzens so ‘n dummes Spielchen gespielt:
Ich in kndls gewesen, zu Henny in den 5. gegangen oder so, Internettyp ohne Decknamen in den 6. gegangen
Henny in den 8. ich hinterher
Internettyp ohne Decknamen in den 9
Henny & Ich in den 7.
Internettyp ohne Decknamen in den 5.
* Kinderkacke
* Aber der bedeutet mir trotzdem was, iwie >.< x.x
* Themawechsel
* Beste Freundin 2 hat die M*CD

Aktuelles Lied: Ertrinken – DTH
”    Motto: Einfach noch mal in mich reinschauen
Was Musik so bewegt…
”    Stimmung: Verwirrt//Verzweifelt

Tö! ♥ :)

Fülle

tumblr_md9ap8s3pf1rkx7mso1_400

Sie geht zu ihrer Schwester. Diese isst kaum und macht immer Sport und findet sich zu dick und redet über nichts anderes als über ihren Körper, über andere Körper, über Fett, Muskeln und Schönheit und Kleidung und Körperbilder und wie gerne sie magersüchtig wäre und sie müsse abnehmen, genau wie ihre kleine Schwester, die müsse nun wirklich mal abnehmen, das geht so nicht mehr und warte, iss das nicht, das macht dick.
Und das will doch keiner.

Sie geht in das Badezimmer ihrer Schwester. Sie sieht Schönheitartikel, unendlich viele Schönheitszeitschriften, die alle zum Abnehmen einladen und Gesundes Essen preisen und von sechzig verschwundenen Pfunden in sechzig ungeplagten Tagen erzählen und einen Artikel über Essstörungen und unendlich viele Artikel, wie man zu sein hat und sie sieht die Waage und sie sieht die Toilette und diese wirkt plötzlich so verführerisch, aber das wäre ja zu einfach.
Und das will doch keiner.

Sie geht nach Hause. Sie begrüßt ihren Vater und sie macht ihm Essen und bringt es ihm zum Wohnzimmertisch, damit er entspannen kann und er fragt, ob sie denn nichts essen wolle und sie sagt, sie esse in der Küche und nach dem Essen geht der Vater in die Küche und guckt in den leeren Teller seiner Tochter und guckt in die Schränke und sucht nach einem Nachtisch und sieht, dass Kekse fehlen und dann guckt er seine kleine Tochter an und sagt, sie sei ja mal wieder fleißig gewesen, die Kekse seien ja schon weg und wollte sie denn nicht eigentlich abnehmen, ihre Schwester erzählt stolz herum, dass sie gemeinsam abnehmen wollen und seine kleine Tochter meint seine anderen Gedanken zu hören, dass seine kleine Tochter immer größer und breiter wird.
Und das will doch keiner.

Sie geht ins Internet. Körpertoleranz und Körperliebe und Körperhass und Körperbilder und Extrembeispiele und alles dreht sich um Körper und Schönheit und das ist doch alles egal und wir sind doch alle schön, egal wie wir aussehen, wir müssen uns selber lieben und hör auf zu essen und hör auf dich über deinen Körper zu beschweren, das nervt und sowas nennt man Komplimentefischen.
Und das will doch keiner.

Sie geht in die Küche. Sie macht sich einen Tee und ihre andere Schwester kommt und drängt sie zum gemeinsamen Mittagessen und erzählt und erzählt und merkt nicht, dass ihre kleine Schwester immer leiser wird und nur noch in ihrem Essen herumstochert und ihr Gesicht ganz schön bleich ist, aber die große Schwester ist nun einmal vertieft im Gerede über Essenspläne und Kalorien und Essstörungen und eine Essstörung, die hat ihre Freundin ja sowieso, die meckert ständig über ihren Körper obwohl er schön ist und eigentlich sollte sie sich nicht wundern, dass sie zunimmt, sie isst ja auch so ungesund, aber zum Glück wiegen die beiden jetzt gleich viel und wollen gemeinsam die 53kg erreichen und das ist so wunderbar und das machen beste Freundinnen so und die große Schwester fragt ihre kleine Schwester, ob sie ihr mal einen Essensplan mitgeben soll und das Wichtigste sei sowieso das viele Trinken und dabei macht sie sich aber keine Sorgen, denn die kleine Schwester trinkt ja so viel Tee, das müsste genug sein und das Problem seien ja nur die Mahlzeiten und die müssen so und derlei ablaufen, damit es nicht ungesund wird.
Und das will doch keiner.

Sie geht raus. Die Straße runter und ihr Atem wird unregelmäßig und tiefer und tiefer und tiefer und tiefer und tiefer und tiefer und sie muss sich zusammenreißen und sie muss normal atmen und ihr Gesicht spiegelt Angst wider und ihr linker Unterarm juckt und ihre rechte Hand juckt und sie muss den Bauch einziehen, sie sieht so dick aus und in ihrem Kopf geht sie ihre Einkaufsliste durch und sie enthält Chips und Süßes und Schokolade und Eis und Chips und Saures und Eis und Cola Light und sie hasst sich selbst immer mehr und zieht ihren Bauch immer mehr ein und sie atmet immer schwerer und immer tief ein und aus und ein und aus und ein und aus und ein und aus und ein und aus und rein in den Laden und hoffen, dass niemand ihren Einkauf sieht, denn obwohl diese Sachen natürlich für einen gemeinsamen Abend mit Freundinnen oder mit Schwestern oder mit Leuten von außerhalb sind, wäre ein Treffen doch unangenehm.
Und das will doch keiner.

Sie geht in ihr Zimmer. Hoffentlich kommt niemand rein, oh, Hallo Katze, nur du darfst hier rein und das immer und die Katze springt auf das Bett und ihre Besitzerin holt aus ihrer Tasche allerlei Menschenfutter und verteilt die Packungen über dem Bett und öffnet die Packungen und sie isst und isst und isst und isst und isst und isst und isst und isst und isst und isst und isst und isst und isst und isst und isst und holt Luft und isst und isst und isst und isst und isst und isst und spült das ganze mit Cola Light herunter und isst weiter und isst mehr und isst alles auf und dann ist alles leer und ihr Magen voll und sie hat immer noch Hunger und sie guckt auf die leeren Packungen und sie guckt auf ihren vollen Körper und sie weint und sie schreibt schließlich mit dunkelroter Farbe auf blassrosa Unterlage und isst noch die Notfall-Reste und die Tränen kommen zweifarbig und sie isst und isst und isst und isst und sie hasst sich selbst.
Und das will doch keiner.

Eiscreme

tumblr_mldnoxFdd51s885h8o1_500“Du bist aber flink!”
Sofort weiß sie, worauf ihr Vater hinaus möchte.
“900ml Eiscreme…” Er kommt aus der Küche, schnell schließt sie diverse Internetfenster, packt ihr Handy und geht wortlos in ihr Zimmer.
Ihr Vater hinterher.
Er bleibt im Türrahmen stehen, sieht den Rücken seiner Tochter, welche mit gebeugtem Kopf auf ihre Finger starrt, die verwirrt auf dem Handy rumtippen, als seien sie beschäftigt.
“Warum redest du nicht mit mir?”
“Was soll ich schon sagen?”
In ihrem Zimmer ist es still, in ihrem Kopf schreien ihre Gedanken, die Tränen klopfen an der Pforte.
Dann fragt ihr Vater, während er sich im Zimmer umsieht: “…seit wann hast du eine Waage?”
“Seit zwei Monaten”, sagt ihr Gewichtstagebuch,
“Seit ‘ner Weile”, sagt sie.
Einige Momente ist es wieder still, dann geht ihr Vater aus dem Zimmer und schließt zum ersten Mal die Tür hinter sich.
“Ahnt er etwas?”, fragt sie sich. Vielleicht hat er ihr Essenstagebuch gefunden? Oder schlimmeres?
Vielleicht ist ihm das selber aber auch scheißegal. Seine Tochter isst wie ein Schwein, das ist keine Essstörung, das ist Völlerei. Seine Tochter hat keine Kontrolle, keine Disziplin. Und überhaupt ist sie zu dick und isst zu viel um eine Essstörung zu haben. Denn sowas haben nur dünne, dürre Mädchen. Essstörungen sind ja sowieso nur Magersucht und Bulimie, Ana und Mia, hungern und fressen und brechen. Und brechen hat der Vater seine Tochter auch noch nie gehört und sie isst auch (viel), eben alleine diese 900ml Eiscreme (und 8 Kekse und 2 Haselnussschnitten und 13 Pelmeni und 1 Hähnchenschnitzelbrötchen mit einem Klecks Remoulade)! Nie und nimmer hat seine kleine, dicke, undisziplinierte Tochter eine Essstörung. Hirnrissiger Unfug.

Und während sie daran denkt, jetzt zum ersten Mal ihren Finger erfolgreich ich den Hals zu stecken, weil es so verführerisch ist, weint sie. Erstickt ihre Tränen im Kissen, damit es ihr Vater nicht hört.
Eben noch bebte und hüpfte ihr erquicktes Herz bei der Vorstellung, wie es mit ihrem Herzensmenschen weitergehen sollte, jetzt fällt ihr wieder ihr eigenes Versprechen ein. Erst wenn du 9,5kg abgenommen hast, niemand möchte ein dickes Mädchen an seiner Seite. Ein Mädchen, dessen Beine dicker als die eigenen sind. Ein Mädchen, welches mehr wiegt als man selbst.
Und dann denkt sie wieder daran, wie ihr Schwesterherz vor kurzem sagte, dass ihre kleine Schwester Ewigkeiten bräuchte, um annähernd magersüchtig zu werden und dabei höhnisch lachte.
Während weitere Szenarien ihres bisherigen Lebens, in welchem ihr nie beigebracht wurde ihren eigenen Körper zu lieben, gar zu akzeptieren, ihr stets immer nur Selbsthass gelehrt wurde, auf sie einprasseln, die sie letztlich in diese Misere getrieben haben, zieht sie sich ihre Sportschuhe an und beschließt nichts mehr zu essen.

Ich werde noch dünn werden.
Versprochen, Schwester. Versprochen, Papa. Versprochen Person A.
Versprochen, Körper.

25. März 2009

tumblr_mdp1f3vvjp1qfndl6o1_500

Aus dem Tagebuch eines 13 Jahre jungen Mädchens.

Hallöle! :D
Okay, vergessen wir die Gliederung grad :o
Heute war Abisturm
Krawall & Abidemmi! xO
war geil xD
In unserer Klasse war mehr Party als bei den Abidemmis xO
Karten gespielt. Whuha xD
So Folter halt :o
O.♂ ist ‘ne geile Sau ^-^
er meint, dass ich halb Mann bin und zarte Hände hab xD
Herr K. hat mir ‘n Brief geschrieben^^
Z.♂ sieht süß aus ô.o

Stand 25.03.09//10.38 P.M.
* B.♀ B hat Gebbi! :D
* ich penn’ morgen bei Q.♀ xO
* Schwester 4 nervt nur noch ein bisschen…
* [Internettyp ohne Deckname] -> seit 2 Tagen nicht geredet!
* Mit Schwester 4 Wörter ausgetauscht
* P.♂ abgeschrieben ô.o
* Beste Freundin 2 mag Luftbahn & hat wieder Deichkind gehört -> Krawall & Abi/Remmidemmi
* Herr W. ist EINDEUTIG schwul xO

Aktuelles Lied: -
Aktuelles Motto: Heut’ war geil xO

Tö! ♥ :)